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Gedanken

Superkräfte!

Superkräfte!

Die erste Diagnose, die wir in der Klinik für Intensivtherapie und Pathologie des Neugeborenen in Zabrze hörten, war die Glasknochenkrankheit – Osteogenesis imperfecta. Ich werde diesen Namen nie vergessen. Ich will nicht lügen, wir waren von dieser Nachricht am Boden zerstört. Umso mehr, als die Ärzte uns nicht einmal erlaubten, Antosia selbst zu baden, und an ihrem Bettchen von Anfang an ein Zettel mit dem Hinweis „Vorsichtige Pflege“ hing. Das bestärkte uns zusätzlich in dem Glauben, dass diese Diagnose sehr realistisch war und es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis sie bestätigt wird. Es war eine schwere Zeit für uns, aber gleichzeitig eine der schönsten Phasen meines Lebens, weil unsere wunderschöne, wunderbare Tochter geboren wurde. Wir hatten neun Monate auf diesen besonderen Moment gewartet. Einer der besten Momente, aber zugleich voller Sorgen darüber, was die Zukunft bringen würde und wie wir unserer Antosia helfen könnten.

Glücklicherweise wurde diese Diagnose schließlich etwa am fünften Lebenstag von Antosia ausgeschlossen. Das war eine unglaubliche Erleichterung. Ich wollte dieses kleine Glück am liebsten mit der ganzen Welt auf einmal teilen, aber ich rief einfach einen unserer Freunde, Paweł, an. Ich kam nicht einmal dazu, meinen Satz zu beenden, da unterbrach mich Paweł und rief mit unglaublicher Euphorie in der Stimme so etwas wie: „Ja! Ich wusste es! Ich sag’s dir, am Ende stellt sich noch heraus, dass sie irgendwelche Superkräfte hat!“

Ich schreibe darüber, weil dies einer der Wendepunkte für mich und meine Sichtweise auf unsere Situation war. Damals erfuhren wir auch von der Existenz einer sehr inspirierenden Frau, Aimee Mullins, und ich erinnerte mich an die Geschichte von Oscar Pistorius. Beide wurden mit der gleichen Fehlbildung wie Antosia geboren, einer beidseitigen fibularen Hemimelie. Dank ihrer Haltung weiß ich, dass eine Behinderung nicht gleichbedeutend mit Hilflosigkeit und Schwäche sein muss. Paradoxerweise kann man sehr viel Kraft aus den eigenen Schwächen schöpfen. Das würde ich gerne lernen. Ich vermute, dass ich das erst von unserer kleinen Tochter lernen werde.

Unten füge ich zwei Vorträge von Aimee bei. Ich weiß, dass sie über eine halbe Stunde dauern, aber manchmal verschwenden wir mehr Zeit vor dem Fernseher. Ich kann sie wirklich nur empfehlen. Nach dem Klicken auf „Play“ kann man deutsche Untertitel auswählen.

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